Zur Anwendung der neuen Heubeck-Richttafeln RT 2018 G bei der Bewertung von Altersversorgungsverpflichtungen in der Handelsbilanz

Im Rahmen einer Pressemitteilung hat die Heubeck AG am 25. September 2018 bekannt gegeben, dass die am 20. Juli 2018 veröffentlichten Richttafeln RT 2018 (hierzu sei auf unseren Newsletter IV 2018 verwiesen) einer Anpassung bedürfen. Gemäß Pressemitteilung liegen in den veröffentlichten Tabellen „Inkonsistenzen in Bezug auf die verwendeten Datengrundlagen“ vor, aus denen eine Überschätzung des Trends zur Erhöhung der Lebenserwartung resultiert.

Anfang Oktober wurden die daraufhin nochmals angepassten Richttafeln von der Heubeck AG veröffentlicht. Entsprechend einer Mitteilung der Gesellschaft vom 4. Oktober 2018 seien die Auswirkungen der vorgenommenen Anpassungen gering.
Der Hauptfachausschuss (HFA) des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) hat nun Hinweise zur erstmaligen Anwendung der neuen Richttafeln für Jahres- und Konzernabschlüsse nach HGB sowie Abschlüsse nach IFRS veröffentlicht.

Nach Auffassung des HFA sind – in Abhängigkeit vom Datum der Veröffentlichung des für die Steuerbilanz maßgeblichen BMF-Schreibens zum Übergang auf die neuen Richttafeln auf der Website des BMF (am 22. Oktober 2018) –  folgende Fallkonstellationen für die handelsrechtliche Bewertung zu unterscheiden:

  • Für Abschlüsse mit Stichtag vor dem Tag der Veröffentlichung des BMF-Schreibens kann eine zwingende Anwendung der Richttafeln RT 2018 mangels allgemeiner Anerkennung nicht gefordert werden.

  • Für Abschlüsse mit Stichtag am oder nach dem Tag der Veröffentlichung ist die Anwendung der neuen Sterbetafeln grundsätzlich verpflichtend.

Sofern in Abschlüssen mit Stichtag am oder nach dem Tag der Veröffentlichung des betreffenden  (finalen) BMF-Schreibens die neuen Richttafeln ausnahmsweise noch keine Berücksichtigung finden, ist dies im Einzelfall zu begründen. Hierfür führt der HFA folgende mögliche Gründe an:

  • Die abschließende inhaltliche Validierung und Implementierung der neuen Richttafeln durch die Rechnungslegungspraxis, v.a. die Aktuare, ist bis zum Zeitpunkt der Beendigung der Aufstellung des Abschlusses noch nicht abgeschlossen.

  • Es werden keine wesentlichen Änderungen erwartet, da das Unternehmen die Richttafeln RT 2005 G für zurückliegende Abschlussstichtage bereits individuell modifiziert hat und somit bereits aktuellere Schätzwerte berücksichtigt (mithin handelt es sich insoweit im Wesentlichen bereits um eine „Vorwegnahme“ der Änderungen durch die neuen Richttafeln RT 2018 G).

Die Ausführungen zu Abschlüssen mit Stichtag am oder nach dem Tag der Veröffentlichung gelten entsprechend für Abschlüsse, deren Stichtag zwar vor dem Tag der Veröffentlichung  des BMF-Schreibens liegt, deren Aufstellung aber erst nach der Veröffentlichung des BMF-Schreibens beendet wird.

Nach Auffassung des HFA sind die Erfolgswirkungen aus der erstmaligen Anwendung der neuen Richttafeln im handelsrechtlichen Abschluss sofort in voller Höhe, somit ohne Verteilung der Erfolgswirkungen auf einen Übergangszeitraum, zu erfassen. Der Ergebniseffekt aus den geänderten biometrischen Annahmen wird grundsätzlich als Bestandteil des im Personalaufwand zu erfassenden Zuführungsbetrags zur Pensionsrückstellung berücksichtigt.

Zudem weist der HFA auf folgende Angabepflichten im (Konzern-)Anhang hin: nach §§ 285 Nr. 24, 314 Abs. 1 Nr. 16 HGB ist anzugeben, welche Sterbetafeln der Bewertung der Altersversorgungsverpflichtungen zugrunde gelegt wurden. Gegebenenfalls bestehen im Einzelfall weitere Angabepflichten nach §§ 285 Nr. 31, 314 Abs. 1 Nr. 23 HGB (Erträge und Aufwendungen von außergewöhnlicher Größenordnung) und nach §§ 285 Nr. 32, 314 Abs. 1 Nr. 24 HGB (sog. periodenfremde Erträge und Aufwendungen).

Dieser Beitrag ist nach bestem Wissen und Kenntnisstand verfasst. Eine Haftung kann trotz sorgfältiger Bearbeitung nicht übernommen werden. Die Ausführungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und können daher eine qualifizierte, fachliche Beratung im Einzelfall weder ganz noch teilweise ersetzen. GKK PARTNERS steht Ihnen dazu gerne zur Verfügung.


GKK PARTNERS
Ohmstraße 15
80802 München
Fon +49 (0)89 / 38 99 78 -0
Fax +49 (0)89 / 38 99 78 -78
info@gkkpartners.de
www.gkkpartners.de