Eine der zentralen Weichenstellungen bei jedem Unternehmenskauf ist die Wahl des passenden Kaufpreismechanismus. Dafür haben sich zwei allgemein anerkannte Ansätze etabliert: der Locked-Box-Mechanismus und die Closing Accounts.
Der Locked-Box-Mechanismus im Detail
Beim Locked-Box-Mechanismus wird der Kaufpreis auf Grundlage eines historischen Abschlusses festgelegt, beispielsweise zum 31. Dezember des Vorjahres. Zu diesem Stichtag wird der Unternehmenswert fixiert. Der wirtschaftliche Übergang erfolgt rückwirkend, sodass die seit dem Stichtag erwirtschafteten Ergebnisse wirtschaftlich bereits dem Käufer zuzurechnen sind. Zur Kompensation des Zeitraums bis zum tatsächlichen Zahlungsfluss wird auf den vereinbarten Kaufpreis häufig eine Verzinsung vorgesehen.
Der Closing-Accounts-Mechanismus im Detail
Im Gegensatz dazu basiert der Closing-Accounts-Ansatz zunächst auf einem vorläufigen Kaufpreis, der auf Schätzungen beruht. Nach dem rechtlichen Vollzug der Transaktion wird eine gesonderte Stichtagsbilanz erstellt, um die tatsächlichen Werte zum Übergabezeitpunkt zu ermitteln. Auf dieser Grundlage erfolgt anschließend eine Anpassung des Kaufpreises. Maßgeblich sind dabei in der Regel die verfügbaren Barmittel, bestehende Finanzverbindlichkeiten sowie das Nettoumlaufvermögen.
Welcher Ansatz eignet sich für die jeweilige Transaktion?
Wie so oft im Finanzbereich hängt die Wahl des geeigneten Kaufpreismechanismus vom konkreten Einzelfall ab. Während Closing Accounts lange Zeit der international verbreitete Standard waren, erfreut sich der Locked-Box-Mechanismus insbesondere in der DACH-Region großer Beliebtheit. Er bietet Verkäufern ein hohes Maß an Klarheit und Planungssicherheit, da die wesentlichen Parameter – einschließlich des Kaufpreises – bereits vor der Unterzeichnung festgelegt werden.
Demgegenüber werden Closing Accounts häufig von Käufern bevorzugt, da der Transaktionswert stärker den tatsächlichen Unternehmenswert zum Zeitpunkt des Closings widerspiegelt. Während sich die Parteien beim Locked-Box-Mechanismus vorab auf einen finalen Preis einigen, wird dieser bei Closing Accounts erst nach dem Abschluss endgültig bestimmt.
Die finale Entscheidung sollte die spezifischen Merkmale der Transaktion sowie die Interessen beider Parteien berücksichtigen. Ein fundiertes Verständnis der jeweiligen Stärken und Schwächen kann dazu beitragen, spätere Streitigkeiten zu vermeiden und die Erfolgswahrscheinlichkeit der Transaktion zu erhöhen.
Unsere erfahrenen Financial- und Tax-Experten aus dem TVA-Team unterstützen Käufer und Verkäufer entlang des gesamten Transaktionsprozesses – unter anderem mit:
Financial Due Diligence: Prüfung der historischen Finanzinformationen als Grundlage für einen Locked-Box-Mechanismus
Financial Fact Books: Erstellung eines belastbaren Zahlenwerks zur Unterstützung von Closing-Accounts-Strukturen