Neuer DRS 26 „Assoziierte Unternehmen“

Auf seiner Sitzung am 17. Juli 2018 hat der HGB-Fachausschuss des DRSC den DRS 26 „Assoziierte Unternehmen“ verabschiedet. Dieser wird den bisherigen DRS 8 „Bilanzierung von Anteilen an assoziierten Unternehmen im Konzernabschluss” ersetzen.

Der DRS 26 konkretisiert künftig die Kriterien für das Vorliegen eines assoziierten Unternehmens gem. § 311 HGB. Darüber hinaus sieht der neue Standard Regelungen zur Anwendung der Equity-Methode zur Bewertung von Beteiligungen an assoziierten Unternehmen im handelsrechtlichen Konzernabschluss vor und behandelt damit in Verbindung stehende Zweifelsfragen.

Weiterhin finden sich Ausführungen zu den Anhangangaben, die für assoziierte Unternehmen bzw. bei der Anwendung der Equity-Methode in einem Konzernabschluss zu beachten sind.

Einstufung als assoziiertes Unternehmen nach § 311 HGB

Die Einordnung eines Unternehmens als assoziiertes Unternehmen erfordert, dass eine Beteiligung nach § 271 Abs. 1 HGB besteht und tatsächlich ein maßgeblicher Einfluss auf die Geschäfts- und Finanzpolitik ausgeübt wird. Der maßgebliche Einfluss kann dabei auch widerlegbar vermutet werden. Diese widerlegbare Vermutung erfolgt bei einem (direkt oder indirekt gehaltenen) Stimmrechtsanteil von mindestens 20 %. Bei einem Stimmrechtsanteil von weniger als 20 % wird demgegenüber vermutet, dass kein maßgeblicher Einfluss vorliegt. Diese sog. negative Assoziierungsvermutung (Stimmrechte < 20 %) stellt nur einen Indikator dar, da hierbei zusätzlich zu prüfen ist, ob unter Berücksichtigung der Gesamtumstände nicht doch ein maßgeblicher Einfluss ausgeübt wird.

Das Vorliegen eines maßgeblichen Einflusses ist in diesem Zusammenhang im jeweiligen Einzelfall unter Würdigung der Gesamtumstände zu beurteilen. Dabei sind auch faktische Einflussmöglichkeiten, die sich beispielsweise aus der Gesellschafterstruktur ergeben, mit einzubeziehen. Als Indiz für einen maßgeblichen Einfluss gilt dabei etwa die Zugehörigkeit eines Konzernvertreters zu einem, die Geschäftspolitik bestimmenden, Organ des assoziierten Unternehmens.

Anwendung der Equity-Methode dem Grunde nach

Beteiligungen an assoziierten Unternehmen nach § 311 HGB sind grundsätzlich nach der Equity-Methode zu bewerten, sofern sie nicht von untergeordneter Bedeutung für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sind. Weiterhin kann unter Umständen und bei einer entsprechenden Inanspruchnahme von Wahlrechten die Equity-Methode auch bei der Bewertung von Beteiligungen an Tochter- und Gemeinschaftsunternehmen zur Anwendung kommen.

Beispielsweise bei nach § 296 HGB nicht vollkonsolidierten Tochterunternehmen findet die Equity-Methode Verwendung, wenn erhebliche und andauernde Beschränkungen der Rechte eine tatsächliche Ausübung eines beherrschenden Einflusses auf die Geschäfts- und Finanzpolitik des Tochterunternehmens unmöglich machen. Dagegen kommt etwa bei zur Weiterveräußerung erworbenen Anteilen an Tochterunternehmen eine Anwendung der Equity-Methode im Regelfall nicht in Betracht.

Bewertung nach der Equity Methode

Ausgangsbasis für die Bewertung nach der Equity-Methode ist nach § 312 HGB der jeweils letzte verfügbare Jahres- oder Konzernabschluss des assoziierten Unternehmens; der jeweilige Stichtag muss nicht zwingend mit dem Konzernabschlussstichtag des Mutterunternehmens übereinstimmen.

In der Praxis stellte sich häufig die Frage, ob diese grundlegenden Abschlüsse bei Einbeziehung bereits festgestellt oder gebilligt sein müssen. Hierzu stellt der DRS 26 wie folgt klar: Eine Feststellung oder Billigung des Jahres- oder Konzernabschlusses des assoziierten Unternehmens ist nicht zwingend erforderlich ist. Vielmehr kann der zugrundeliegende Abschluss bereits dann bei der Equity-Bewertung Verwendung finden, wenn er dem Mutterunternehmen zugänglich ist und alle wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsentscheidungen verbindlich getroffen wurden und bei bestehender Prüfungspflicht auch die wesentlichen Prüfungshandlungen abgeschlossen sind.
Der Abschluss, der bei der Equity-Bewertung zugrunde gelegt wird, braucht zudem nicht an die einheitlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden des Konzerns des Mutterunternehmens angepasst werden.
Zu beachten ist jedoch, dass die Verwendung des letzten verfügbaren Jahres- oder Konzernabschlusses im Zeitablauf stetig angewendet werden muss.

Bei der erstmaligen Anwendung der Equity-Methode sind die Anteile an einem assoziierten Unternehmen zu ihren (Konzern-) Buchwerten anzusetzen (DRS 26.33) und in einer Nebenrechnung mit dem anteiligen Eigenkapital des assoziierten Unternehmens zu verrechnen. Hieraus ermittelt sich der sog. Unterschiedsbetrag 1. In einer Nebenrechnung ist der Unterschiedsbetrag 1 unter Berücksichtigung von latenten Steuern auf die darin enthaltenen stillen Reserven und Lasten sowie den verbleibenden Geschäfts- oder Firmenwert (altern. passiven Unterschiedsbetrag), dem sog. Unterschiedsbetrag 2, aufzuteilen. Hierbei wird klargestellt, dass die Aufdeckung von stillen Reserven und Lasten nicht auf den Unterschiedsbetrag 1 begrenzt ist. Dies hat zur Folge, dass sich ein positiver Unterschiedsbetrag 1 durch die Aufdeckung von stillen Reserven und Lasten auch in einen passiven Unterschiedsbetrag wandeln kann.

In den Folgejahren ist der Equity-Wertansatz um die anteiligen Eigenkapitalveränderungen zu erhöhen bzw. zu vermindern, wobei auch die aufgedeckten stillen Reserven und Lasten sowie ein ggf. verbleibender Geschäfts- oder Firmenwert oder passiver Unterschiedsbetrag fortgeführt werden. Zur Veranschaulichung der Vorgehensweise der Fortschreibung des Equity-Wertansatzes dient in der Anlage des DRS 26 ein exemplarisches Schema.

Für den Fall, dass die Equity-Fortschreibung zu einem negativen Wert führt, ist die Beteiligung an dem assoziierten Unternehmen in der Konzernbilanz mit einem Erinnerungswert anzusetzen. Eine Ausnahme stellt hierbei eine bestehende Verlustausgleichsverpflichtung dar, für die bereits im Jahresabschluss des Gesellschafters entsprechende Rückstellungen angesetzt werden müssen.

Ferner enthält der neue DRS 26 Regelungen im Hinblick auf Kapitalmaßnahmen beim assoziierten Unternehmen. Die Effekte aus verhältniswahrenden Kapitalmaßnahmen sind zum Zeitpunkt der Kapitalmaßnahme erfolgsneutral im Equity-Wert zu berücksichtigen. Bei Änderungen des zuzurechnenden anteiligen Eigenkapitals aufgrund von nicht-verhältniswahrenden Kapitalmaßnahmen ist dagegen der Teil des Änderungsbetrags, der nicht auf Einlagen des beteiligten Unternehmens beruht, zum Zeitpunkt der Kapitalmaßnahme erfolgswirksam im Equity-Wert zu berücksichtigen.

Der Regelungsinhalt des DRS 26 erstreckt sich weiterhin auf statuswahrende Auf- und Abstockungen von Anteilen an assoziierten Unternehmen sowie Vorgaben zum Wechsel der Konsolidierungsmethode.

Erstanwendung DRS 26

Der DRS 26 ist erstmalig für die Aufstellung gesetzlich vorgeschriebener sowie freiwilliger Konzernabschlüsse mit einem Geschäftsjahresbeginn nach dem 31. Dezember 2019 verpflichtend anzuwenden. Eine vorzeitige, vollumfängliche Anwendung wird nach der Bekanntmachung des BMJV empfohlen.

Für die Fortschreibung bestehender Equity-Werte sind die Neuregelungen des DRS 26 dabei prospektiv anzuwenden. Eine rückwirkende Anpassung bisheriger Equity-Wertansätze ist nicht zulässig.

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