Abschlussprüfung im herausfordernden Marktumfeld: Worauf Unternehmen sich einstellen sollten

Das wirtschaftliche Umfeld bleibt für viele Unternehmen herausfordernd. Steigende Finanzierungskosten, eine verhaltene Investitionsbereitschaft und zunehmende Marktunsicherheiten wirken sich nicht nur auf die operative Geschäftstätigkeit aus, sondern beeinflussen zunehmend auch zentrale Bilanzierungs- und Bewertungsfragen. Entsprechend verändert sich auch der Fokus der Abschlussprüfung. Um sich auf die kommende Abschlussprüfung vorzubereiten, sollten Unternehmen sich frühzeitig mit den folgenden Themen auseinandersetzen. Gerne unterstützen wir Sie dabei (Kontatklink).

 

Going Concern: Die Unternehmensfortführung belastbar belegen

Die Frage, ob ein Jahresabschluss unter Berücksichtigung der Fortführungsannahme aufgestellt wird, liegt zunächst in der Verantwortung der gesetzlichen Vertreter. Im Rahmen der Abschlussprüfung werden diese Einschätzung, die zugrunde liegenden Annahmen und die hierzu vorgelegten Nachweise beurteilt.

Kritisch hinterfragt wird die Fortführungsannahme insbesondere, wenn Unternehmen unter Liquiditäts- oder Ergebnisdruck stehen, wesentliche Abhängigkeiten von einzelnen Kunden oder Lieferanten bestehen oder in den kommenden Monaten Refinanzierungen vorgenommen werden müssen. 

Welche Unterlagen erforderlich sind, hängt von der wirtschaftlichen Situation und den bestehenden Unsicherheiten ab. Regelmäßig erforderlich ist eine belastbare Liquiditäts- und Ergebnisplanung, die einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten ab dem Abschlussstichtag abdeckt. Abhängig vom Zeitpunkt der Abschlussaufstellung und von den konkreten Risiken kann ein längerer Betrachtungszeitraum erforderlich sein. Optimal ist eine integrierte Planung, die Ergebnis-, Liquiditäts- und Bilanzgrößen enthält. Bei erheblichen Liquiditätsrisiken, Sanierungsmaßnahmen oder möglichen insolvenzrechtlichen Fragestellungen können weitergehende Analysen erforderlich sein.

Dabei sollten alle wesentlichen Annahmen nachvollziehbar dokumentiert sein. Entscheidend ist, dass die Planung aktuell, realistisch und konsistent mit den übrigen Unternehmensunterlagen ist.

Um optimal für die Abschlussprüfung gewappnet zu sein, sollten Unternehmen daher jetzt schon ihre Planung für das kommende Jahr betrachten und kritisch überprüfen: Deckt die Planung mindestens 12 Monate ab? Wird nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Liquidität geplant? Sind die zugrunde liegenden Annahmen im aktuellen Marktumfeld plausibel? Und liegt für alle wesentlichen Annahmen eine dokumentierte Begründung vor? 

Auch bedeutsame Zweifel an der Fortführung der Unternehmenstätigkeit führen nicht automatisch zu einer Abkehr von der Fortführungsannahme. Ist die Fortführungsannahme trotz bestehender wesentlicher Unsicherheiten weiterhin angemessen, sind diese Unsicherheiten entsprechend den einschlägigen Anforderungen transparent im Abschluss und – soweit aufzustellen – im Lagebericht darzustellen.

Stehen der Fortführung jedoch tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegen, darf der Abschluss nicht mehr auf der Grundlage von Fortführungswerten aufgestellt werden. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf Ansatz, Bewertung und Berichterstattung haben, die je nach Einzelfall zu beurteilen sind. 

Wenn Sie dazu Fragen haben oder wir Sie bei der Erstellung der Planung und der Beurteilung von Zweifelsfällen unterstützen können.

Sprechen Sie uns an.

 

Werthaltigkeit von Vermögensgegenständen

Besonders betroffen von den aktuellen Rahmenbedingungen sind Vermögensgegenstände, deren Bewertung von zukünftigen Erträgen abhängt. Dazu zählen 

  • Beteiligungen/Finanzanlagen: Hier ist eine Prüfung auf voraussichtlich dauernde Wertminderung notwendig, ggf. unter Beachtung einschlägiger Wahlrechte. 
  • Geschäfts- oder Firmenwert: Neben der planmäßigen Abschreibung kann bei Vorliegen entsprechender Wertminderungsindikatoren eine außerplanmäßige Abschreibung erforderlich werden. 
  • Entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände: Bei entsprechenden Anzeichen ist zu beurteilen, ob eine Wertminderung vorliegt und eine außerplanmäßige Abschreibung erforderlich ist. 
  • Ggf. auch Forderungen, Vorräte und Sachanlagen, wenn das wirtschaftliche Umfeld entsprechende Wertminderungsindikatoren hervorruft.

Steigende Kapitalkosten können den Barwert künftig erwarteter Überschüsse reduzieren und damit den ermittelten Zeitwert belasten. Gleichzeitig können rückläufige Absatz-, Margen- oder Ergebnisannahmen zusätzliche Wertminderungsindikatoren darstellen. Unternehmen sollten daher frühzeitig hinterfragen: Liegen Indikatoren für eine Wertminderung vor? Wenn ja, sind die Planungsannahmen noch aktuell? Ist eine ggf. erforderliche Abwertung voraussichtlich dauerhaft oder vorübergehend?

Ein nachvollziehbarer Werthaltigkeitstest setzt dabei insbesondere belastbare Planungsrechnungen sowie eine schlüssige Herleitung wesentlicher Annahmen voraus. Durch eine proaktive Abstimmung mit dem Abschlussprüfer zur Dokumentation der Werthaltigkeit lassen sich Anpassungen in letzter Minute vermeiden.

 

Finanzierungsvereinbarungen und Covenants

Auch bestehende Finanzierungen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Werden vertraglich vereinbarte Financial Covenants verletzt, kann dies je nach Vertragsgestaltung zur Kündbarkeit oder vorzeitigen Fälligkeit von Krediten führen.

Unternehmen sollten mögliche Covenant-Verstöße frühzeitig identifizieren und bei Bedarf das Gespräch mit den Geldgebern suchen. Häufig lassen sich die Folgen durch einen Waiver oder eine Anpassung der Vereinbarungen begrenzen. 

Ob und wie sich ein Covenant-Verstoß auf den Jahresabschluss auswirkt, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung, den Rechtsfolgen des Verstoßes und den Verhältnissen zum Abschlussstichtag ab. Auch Zeitpunkt und rechtliche Wirksamkeit eines Waivers oder einer Änderung der Finanzierungsvereinbarung können hierbei von Bedeutung sein. Unternehmen sollten deshalb drohende Covenant-Verstöße möglichst frühzeitig identifizieren und erforderliche Abstimmungen mit den Finanzierungspartnern rechtzeitig einleiten.

Unabhängig von der bilanziellen Einordnung können sich Auswirkungen auf die Liquiditätsplanung, die Fortführungsbeurteilung sowie die Angaben in Anhang und Lagebericht ergeben. Auch hier ist es ratsam, im Dialog mit dem Abschlussprüfer die möglichen Auswirkungen zu besprechen und die Herausforderungen ggf. gemeinsam mit einem Berater proaktiv anzugehen.

 

Schätzungsunsicherheiten, Prognosen und Risikoberichterstattung

Unsichere Schätzungen erschweren die Bewertung von Rückstellungen, beispielsweise für Prozess-, Gewährleistungs- oder Restrukturierungsrisiken. Je höher die Unsicherheit, desto wichtiger wird eine nachvollziehbar dokumentierte Herleitung der angesetzten Beträge.

Soweit ein Lagebericht aufzustellen ist, steigen zugleich die Anforderungen an eine konsistente Prognose- und Risikoberichterstattung.

Die verwendeten Annahmen sollten konsistent mit den Bewertungen und Schätzwerten im Jahresabschluss sein. Unternehmen sollten nachvollziehbar dokumentieren: Welche Entwicklungen werden erwartet? Welche Risiken können die Zielerreichung gefährden? Und wie werden diese Risiken überwacht?

Eine transparente und ausgewogene Darstellung erleichtert nicht nur die Prüfung, sondern erhöht auch die Aussagekraft der Unternehmensberichterstattung.

 

Gerne besprechen wir gemeinsam, wie Sie Ihr Unternehmen fit für die Abschlussprüfung machen.

Sprechen Sie uns an.


English Version

Statutory audit in a challenging market environment: What companies should be preparing for

The economic environment remains challenging for many companies. Rising financing costs, a reluctance to invest and increasing market uncertainties are not only affecting operational business activities but are also increasingly influencing key accounting and valuation issues. Accordingly, statutory auditors are also shifting their focus. To prepare for the upcoming statutory audit, companies should address the following issues at an early stage. We are happy to assist you with these matters (contact link).

 

Going concern: Providing robust evidence of the company’s ability to continue as a going concern

The question of whether financial statements are prepared on a going-concern basis lies primarily with the legal representatives. The audit assesses this judgement, the underlying assumptions and the supporting evidence provided.

The going concern assumption is scrutinised particularly closely where companies are under pressure in terms of liquidity or profitability, where there is significant dependence on individual customers or suppliers, or where refinancing is required in the coming months.

The documents required depend on the financial situation and the existing uncertainties. A robust liquidity and profit forecast covering a period of at least twelve months from the balance sheet date is usually required. Depending on the timing of the preparation of the financial statements and the specific risks involved, a longer period may be necessary. The ideal approach is an integrated plan that includes profit, liquidity and balance sheet figures. In the event of significant liquidity risks, restructuring measures or potential insolvency-related issues, more in-depth analyses may be required.

All key assumptions should be documented in a transparent manner. It is crucial that the plan is up to date, realistic and consistent with the company’s other documentation.

To be fully prepared for the audit, companies should therefore review and critically assess their planning for the coming year now: Does the plan cover at least 12 months? Does it include not only profit but also liquidity? Are the underlying assumptions plausible in the current market environment? And is there a documented rationale for all key assumptions?

Even significant doubts regarding the continuity of the entity’s operations do not automatically lead to a departure from the going-concern assumption. If the going-concern assumption remains appropriate despite existing material uncertainties, these uncertainties must be disclosed transparently in the financial statements and – where applicable – in the management report, in accordance with the relevant requirements.

However, if actual or legal circumstances preclude going concern, the financial statements may no longer be prepared on the basis of going concern values. This can have significant implications for recognition, measurement and reporting, which must be assessed on a case-by-case basis.

If you have any questions on this matter or if we can assist you with preparing your forecasts and assessing cases of doubt.

Get in touch with us. 

 

Impairment of Assets

The current operating environment particularly affects assets whose valuation depends on future returns. These include

  • Shareholdings/financial assets: Any impairment in this area requires an assessment of whether it is likely to be permanent, considering relevant accounting options where applicable.
  • Goodwill: In addition to scheduled depreciation, an unscheduled write-down may be required if there are appropriate indicators of impairment.
  • Intangible assets acquired for consideration: If there are indications to this effect, an assessment must be made as to whether an impairment has occurred and whether an unscheduled write-down is required.
  • Where applicable, also receivables, inventories and property, plant and equipment, if the economic environment gives rise to corresponding indicators of impairment.

Rising costs of capital may reduce the present value of expected future cash flows and thus adversely affect the calculated fair value. At the same time, declining assumptions regarding sales, margins or earnings may constitute additional indicators of impairment. Companies should therefore ask themselves at an early stage: Are there any indicators of impairment? If so, are the planning assumptions still valid? Is any potentially necessary impairment expected to be permanent or temporary?

A transparent impairment test requires, in particular, robust planning calculations and a coherent derivation of key assumptions. Proactive coordination with the auditor regarding the documentation of impairment can help avoid last-minute adjustments.

 

Financing agreements and covenants

Existing financing arrangements also merit particular attention. If contractually agreed financial covenants are breached, this may, depending on the terms of the contract, lead to the termination or early repayment of loans.

Companies should identify potential covenant breaches at an early stage and, where necessary, seek dialogue with lenders. The consequences can often be mitigated through a waiver or an amendment to the agreements.

Whether and how a breach of a covenant affects the annual financial statements depends on the specific terms of the agreement, the legal consequences of the breach and the circumstances as at the balance sheet date. The timing and legal validity of a waiver or an amendment to the financing agreement may also be relevant in this regard. Companies should therefore identify impending breaches of covenants as early as possible and initiate the necessary consultations with their financing partners in good time.

Irrespective of the accounting treatment, there may be implications for liquidity planning, the going concern assessment and the disclosures in the notes and management report. Once again, it is advisable to discuss the potential implications with the auditor and, where necessary, to proactively address the challenges in collaboration with a consultant.

 

Uncertainties in estimates, forecasts and risk reporting

Uncertain estimates make it difficult to value provisions, for example for litigation, warranty or restructuring risks. The greater the uncertainty, the more important it is to have a transparently documented derivation of the amounts recognised.

Where a management report is required, the demands on consistent forecasting and risk reporting also increase.

The assumptions used should be consistent with the valuations and estimates in the financial statements. Companies should document the following in a transparent manner: What developments are expected? What risks could threaten target achievement? And how are these risks monitored?

A transparent and balanced presentation not only facilitates the audit but also enhances the informative value of the company’s reporting.

 

We would be happy to discuss with you how to prepare your company for the statutory audit.

Get in touch with us. 

 

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